Emotionale Flashbacks bei der Arbeit mit dem „inneren Kind“

Überall hört man von der Arbeit mit dem „inneren Kind“. Bücher wie „Das Kind in dir muss Heimat finden“ von Stefanie Stahl versprechen Trost und einen gangbaren Weg sich mit sich selbst und der eigenen Vergangenheit auseinanderzusetzen.

Für Menschen, die von frühem Trauma betroffen sind, kann dieser Weg holpriger sein als für andere. Deshalb dürfen sie ihn noch langsamer und achtsamer gehen und sich jemanden an ihre Seite holen, der ein Stück mit ihnen geht, wann immer sie das Gefühl haben, dass es ihnen gut tut.

Der Weg mit dem „inneren Kind“ zu arbeiten, kann sehr lohnenswert sein. Doch gerade, wenn wir in unserer Kindheit nicht die Sicherheit bekommen haben, die wir gebraucht hätten, nicht so gesehen wurden, wie wir es gebraucht hätten und zu viele unserer Bedürfnisse nach Liebe, Zugewandtheit und Aufmerksamkeit unerfüllt geblieben sind, trägt dieses „innere Kind“ auch großen emotionalen Schmerz, der noch unverarbeitet ist.

Für die Arbeit mit dem „inneren Kind“ bedeutet das: wenn wir dem Kind in uns Raum geben, es wahrnehmen und ihm zuhören wollen, dann bricht auch dieser Schmerz möglicherweise aus ihm heraus.

Ich habe es auf meiner Homepage deshalb extra erwähnt, dass ich mit der Arbeit mit dem „inneren Kind“ vorsichtig bin. Gerade deshalb weil ich sie für sehr wirkungsvoll und wertvoll halte. Und dieses Kind nun endlich die Aufmerksamkeit, Zuwendung und Begleitung bekommen soll, die es braucht.

Es ist nicht selten, dass die erste Hinwendung zu unserem „inneren Kind“ (und evtl. auch die zweite oder dritte… ) von emotionalen Flashbacks und körperlichen Symptomen begleitet wird. Nicht immer treten diese sofort auf. Manchmal auch mit etwas Verzögerung in der Nacht oder erst am folgenden Tag.

An dieser Stelle möchte ich dir mit auf den Weg geben, dass das nichts Ungewöhnliches und auch nichts Schlimmes ist. Im Gegenteil: dein „inneres Kind“ hat bemerkt, dass du bereit bist ihm zuzuhören und hinzuspüren. Was bis jetzt abgespalten und verdrängt war, bekommt Raum.

Entscheidend ist, wie wir damit umgehen. Es kann Angst machen, die Wucht der Emotionen und/oder den körperlichen Schmerz zu spüren. Und oft kommt der Gedanke dazu: „Ich muss doch weiter funktionieren.“

Emotionale Flashbacks und auch körperlicher Schmerz können eine Weile anhalten, doch beides geht vorüber – immer. Je entspannter wir dem begegnen können und je weniger zusätzlichen Druck wir uns machen, möglichst schnell wieder funktionieren zu müssen, desto schneller vergehen sie.

Beobachte deine Gedanken. Vielleicht tauchen Sätze auf, die dein „inneres Kind“ erlebt: „Niemand sieht mich.“ „Niemand ist für mich da.“ oder Ähnliches. Hör zu. Und antworte, wie du einem kleinen Kind antworten würdest: „Jetzt bin ICH für dich da.“

Gib dir selbst Halt und Schutz, so wie du es einem kleinen Kind geben würdest: kuschle dich in eine Decke ein, halte ein Kuscheltier in deinen Händen und drücke es fest an dich, stell dir in deinen Gedanken einen riesigen Teddybären vor, an den du dich anschmiegen kannst, …

Lass die Tränen fließen, wenn dir das möglich ist. Und atme in die Stelle hinein, an der du den körperlichen Schmerz spürst, wenn es geht …

Versichere deinem „inneren Kind“, dass du ihm ab jetzt regelmäßig deine Aufmerksamkeit schenken wirst und dass du seine Bedürfnisse ernst nehmen wirst.

Achte auch in der nächsten Zeit darauf, wann welche Symptome auftauchen und ob du vielleicht noch einmal genauer hinhören und hinspüren darfst, was dein „inneres Kind“ zu sagen hat.

Oft verstehen wir sehr gut, was das „innere Kind“ uns sagen möchte und lange unterdrückte Bedürfnisse und Gefühle kommen zum Vorschein. Wenn du nicht genau weißt wie du dem begegnen sollst und wie du in deinem Alltag einen guten Umgang damit findest, melde dich gerne bei mir.